Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht Zuwanderung als große Chance

Deutschland wird seinen Fachkräfte-Engpass nicht allein mit Flüchtlingen lösen. Doch für viele Unternehmen stellt die Zuwanderung ein Chance dar.

ALEXANDER BÖGELEIN | 1 Meinung

Die Flüchtlingspolitik beherrscht die Schlagzeilen und die Diskussion, wie Firmen in der Region Mitarbeiter gewinnen können. Beim 2. Fachkräfte-Forum der IHK Ulm, der Agentur für Arbeit Ulm, der Handwerkskammer Ulm und der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ulm für Mittelständler wurde deutlich, dass angesichts der emotional geführten Diskussion andere Themen in den Hintergrund geraten.

IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle warnte, die Kommunen in der Region investierten zu wenig in die frühkindliche Bildung. Bei 28 Prozent der Kinder in der Region seien die sprachlichen Fähigkeiten nicht so entwickelt, "dass sie die Schule meistern können". Jedes zweite Kind in Ulm habe mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund. Die Gefahr sei groß, dass Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen in der Schule scheiterten und schlechte Jobchancen haben. Daher sei es besser Geld in die frühkindliche Bildung zu stecken als später in den Sozialetat.

Wie groß die Schwierigkeiten sind, Personal zu gewinnen, machte Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft, vor den 70 Teilnehmern deutlich. In 102 Ausbildungsberufen gebe es bereits Engpässe. "Die Integration von Flüchtlingen bezeichnete Klös als riesige Aufgabe. Positiv stimmt ihn, dass zwei Drittel der Asylbewerber jünger als 35 Jahren seien. "Das ist eine große Chance", sagte er mit Blick auf die alternde Gesellschaft und den Fachkräftemangel. Allerdings hätten 70 bis 80 Prozent der Flüchtlinge keine abgeschlossene Berufsausbildung. Den Mittelständlern riet Klös nicht auf die große Politik zu warten, sondern "einfach anzupacken".

Doch das ist nicht so leicht. "Der Bürokratieaufwand ist riesig. Dieser muss dringend verringert werden und Mittelständler Hilfe bekommen", sagte Ulrich Möschl, Produktionsleiter der Großbäckerei Staib. Diese ist Vorreiter im Südwesten und hat drei Flüchtlinge als Auszubildende eingestellt.

Eines der Erfolgsgeheimnisse im Südwesten sei die Integration über Arbeit und Ausbildung in den vergangenen Jahren, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid. Klar sei, dass Baden-Württemberg auch künftig das Fachkräfte-Potenzial durch Zuwanderung nutzen müsse. "Als Erstes sollten wir die Flüchtlinge in Arbeit bringen, die in den Vorjahren gekommen sind und ein Bleiberecht haben."

1 Kommentar

29.01.2016 17:38 Uhr

Frei erfundene Vermittlungshemmnisse

Selbst Vertreter der fortgeschrittensten Erkenntnis besitzen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kaum Aussicht darauf, dass ihre universitär auf einschlägigem Gebiet nachgewiesene Befähigung auf Nachfrage stößt. Angesichts des sehr ausgeprägten Desinteresses von weiten Teilen der Bevölkerung an herausgehoben und insofern stets extern vorliegenden Wissensständen blieb der Ulmer Agentur für Arbeit im März 2005 deshalb keine andere Wahl, als mir eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung (vulgo: Ein-Euro-Job) anzubieten. Wenn also bereits in meinem Fall die Behörde im Zuge von sich dadurch in der völlig verkehrten Richtung zuspitzenden Verhältnissen gezwungen war, so zu tun, als ob die von mir längst erbrachte Arbeitsleistung gleichsam eine zweite Chance bräuchte, obwohl jene voraussichtlich bis in die fernste Zukunft hinein von Bestand sein wird, nimmt die infolge von solch frei erfundenen Vermittlungshemmnissen überbordende Bürokratie nicht wunder. Die Kritik der Großbäckerei Staib daran, die lediglich weitaus geringer qualifizierte Arbeitskräfte rekrutieren will, könnte somit berechtigter nicht sein.

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